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Die Wiederkehr des Lichts und des Lebens

Aktualisiert: 29. Aug. 2023

Über die Zeitqualität der Rauhnachtszeit

Die Weltsicht in der Geomantie beschränkt sich in der Erklärung des Kosmos nicht nur auf die rationale Ebene unseres Verstandes. Wir begreifen den Kosmos vor allem aus den unmittelbaren Beobachtungen der Erscheinungsformen der uns umgebenden Welt. Es sind die Urerfahrungen der Menschen seit dem Anbeginn ihres Seins, die unser Weltbild prägen und geistig-seelisch auf uns wirken.


Zu den zentralen Urerfahrungen zählt die Beobachtung des ewigen Zyklus in der Natur. Das Vegetationsjahr ist geprägt vom Wachsen, Reifen, Welken, Vergehen und der Wiederkehr. Jede Pflanze, die im Herbst in die Erde hineinstirbt, wird im nächsten Frühling wiedergeboren. Die gleiche Szenerie erfahren wir in der Beobachtung der Himmelskörper. Aufgang und Geburt im Osten, aus der Erde heraus und Untergang am Abend, in die Erde hinein. So wie wir diese Kreisläufe im Kosmischen wahrnehmen, nehmen wir sie auch in unserem Leben wahr. Wir wachsen, welken, vergehen und kehren nach nicht allzu langer Zeit zurück auf die Erde. Wir Menschen stehen nicht außerhalb der kosmischen Zyklen, sondern sind genauso wie alles andere eingebettet in diese kosmischen Gesetze.


Vereinfacht ausgedrückt ist diese Weltsicht, unser Leben, geprägt von einem ständigen Wechsel, bei dem sich die dunklen und die hellen Seiten gesetzmäßig und regelmäßig ablösen. Dunkel und Hell bedingen einander, sind voneinander abhängig. Nichts ist gut und nichts ist böse. Hell und Dunkel, Tag und Nacht, Sommer und Winter, Leben und Tod sind notwendig und bedingen einander. Das eine gäbe es ohne das andere nicht. Aus dem Leben geht der Tod hervor und aus dem Tod das Leben – alles den kosmischen Gesetzmäßigkeiten folgend.


Diese unsichtbaren Wirkkräfte, die hinter den kosmischen Gesetzmäßigkeiten stehen, werden getragen und gehütet von einer kosmischen Schöpfergöttin, der Magna Mater, der großen Mutter Erde. Alle Geschöpfe, alle ihre Kinder bringt sie zu gegebener Zeit auf die Welt, um sie am Ende ihrer Zeit wieder zu sich, in die Anderswelt, zu holen, wo sie mit ihren magischen Kräften von Transformation und Erneuerung alles verjüngt und wieder auf die Erde zurückschickt.


Die aktuelle Zeitqualität zu den Rauhnächten ist eine Zeit des Übergangs und des Neubeginns. Mit der Wintersonnenwende bringt die große Schöpfergöttin das Licht zurück. Die helle Zeit löst die dunkle ab. Ein neuer Jahreskreis, ein neuer Vegetationszyklus beginnt. Mit dem Licht kehrt auch alles Leben auf die Erde zurück. Aus dem Tod geht das neue Leben hervor.


Viele Symbole, Bilder, Mythen und Riten begleiten uns durch diese Zeit. Durch die rituelle Aktivierung der Symbole und Bilder und durch die rituellen Handlungen unterstützen wir die Wirkkraft der Schöpfergöttin, damit sich das ewige kosmische Rad, ohne Anfang und ohne Ende, in das wir alle eingebunden sind, weiterdrehen kann. Wir bitten um Schutz, Segen und Fruchtbarkeit für den kommenden Jahreskreis.

Entlang des Jahreskreises zeigt sich die Göttin in verschiedenen Aspekten. Die Rauhnächte sind gekennzeichnet durch den Übergang der Göttin von ihrem dunklen, schwarzen Aspekt als Tod-im-Leben-Göttin, in ihren hellen, weißen Aspekt als Lichtbringerin.


In vielen Mythen, Sagen, Märchen und Legenden wird von ihrer Rückkehr berichtet. So wie die frühen Menschen ihre Vorstellungen vom Leben in Symbolen und Bildern beschrieben haben, so symbolhaft sind solche Erzählungen zu verstehen.

Häufig wird ihre Wiederkehr als Überfahrt über einen Fluss beschrieben, wie in den Geschichten um einen Fährmann, von denen man sich in Freewitz, in Köstritz an der Kister, oder in Kaulsdorf an der Saale erzählt:

Die Frühlingsgöttin mit ihrem Gefolge bei der Überfahrt | Blog | Raum und Mensch - Schule für Geomantie und Radiästhesie
Die Frühlingsgöttin mit ihrem Gefolge bei der Überfahrt aus der Anderswelt

„Einst wahren hier stattliche, reiche Dörfer, denn der Flursegen war ungeheuer. Die ganze Gegend war von Heimchen bevölkert. Diese waren ein friedliches und harmloses Zwergengeschlecht, das an der Bewohner Arbeit mit Freude und Lust teilnahm, mit deren Kindern spielte und sich besonders bei der Ernte sehen ließ. Ihre Königin war Perehtha. Das schöne Verhältnis zwischen ihr und den Menschen trübte sich aber. Es kam ein ernster Mann aus der Fremde und sagte, man dürfe Perehtha nicht trauen; die Kleinen, über die sie gebiete, seien Menschenkinder, welche vor der Taufe gestorben wären. Einmal im Jahre, in der Nacht vor dem heiligen Dreikönigfeste, sei ihr Macht verliehen, ihre Tücken an den Menschen auszuüben. Da komme sie, verwirre den Weibern, die nicht abgesponnen, ihre Rocken und was dergleichen mehr.


Diese Lehre fasste feste Wurzeln und die Menschen zogen sich von den Heimchen zurück. Da wurde in einer dunklen Dreikönignacht der Fährmann gerufen, und als er zum Strome kam, sah er eine verschleierte, stattliche Frau in weißem Kleide und viele Kinder um sie herum, die alle trübe und traurige Mienen hatten. Trotz seines Grauens musste der Fährmann auf die Drohung Frau Perehthas hin die Kleinen übersetzen und er musste dreimal fahren, so viele waren es. Derweil stand Perehtha drüben bei seinem Pfluge, zimmerte an ihm ausbessernd und, als die Überfahrt beendet war, bedeutete sie ihm, als Lohn die Späne zu nehmen. Unwillig steckte er einige ein und fuhr heim. Am Morgen fand er an ihrer Stelle Goldstücke. Seitdem waren die Heimchen und Perehtha verschwunden. Die Fluren verödeten, die Dörfer wurden im Kriege zerstört und das Gelände ist heute noch düster und unfruchtbar.“


Diese Mythe beschreibt symbolhaft den ewigen Zyklus von Vergehen und Werden. Konkret von der Rückkehr des Lichts und des Lebens, freilich schon ziemlich patriarchal verzerrt.

Die weiße Frau Perehtha (ausgesprochen: Perechta. keltisch: die Helle, die Strahlende) steht in der Legende bildhaft für die Göttin der Wiederkehr und des sich ständig erneuernden Lebens. Sie kündigt sich mit dem 6. Jänner, dem Morgen nach der letzten Rauhnacht, dem Dreikönigstag in der Legende, an und bringt die helle Zeit zurück auf die Erde. Sie kommt mit ihrem ganzen Gefolge, den Heimchen, die symbolisch für das neue Leben, die wiederkehrende Vegetation stehen. Diese mythischen Wesen verbreiten Glück und Segen, Gedeihen und Heiterkeit auf den Fluren und helfen den Menschen bei der Feldarbeit. Im Herbst ziehen sie sich in die Erde, die Anderswelt zurück. In der Sage ist es einen Ort jenseits des Wassers, von dem sie dann am 6. Jänner wieder zurückkehren. Der Fährmann wurde sicher erst in späteren Versionen dazugegeben, denn die göttliche Fährfrau war einst Perehtha, die Magna Mater selbst.


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