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Über Maria Verkündigung und die schwangere Vegetationsgöttin

Aktualisiert: 20. März

Lange Zeit wurde die Erde von den Menschen als große Schöpfergöttin und Erdmutter verehrt. Sie war es, die alles Leben auf der Erde hervorbrachte, es beschützte, ernährte und zyklisch erneuerte. Anhand der Vegetation zeigte die Erdmutter den Menschen ihren aktuellen Zustand. Im Herbst, wenn sich die Vegetation zurückzog und die dunkle Jahreszeit über Land und Menschen hereinbrach, betrachteten die Menschen die Erde als schwanger. Schwanger mit der sich erneuernden Vegetation. Die Heilige Erde, die Erdmutter, brauchte nun viel Ruhe und Erholung. Sie musste Kraft sammeln, um mit der Wintersonnenwende bis zum Frühlingsbeginn die neue Vegetation zu gebären. Während dieser Zeit ruhte die Feldarbeit.


Entlang des Jahreskreises waren die Tage im März um den heutigen Frühlingsbeginn herum eine wichtige Loszeit für den weiteren Verlauf des Jahres. Heute sprechen wir von Los- oder Wendetagen. Aber in früheren Zeiten, als die Menschen noch keinen festen Kalender hatten, waren es bestimmte Festzeiten, die die Übergänge im Jahreslauf markierten.


Mit der Wintersonnenwende begann die Erdmutter, die Vegetation wieder hervorzubringen. Jetzt im März ist dieser Prozess endgültig abgeschlossen, und die Erdmutter ist nun empfängnisbereit für die Aussaat. Sie nimmt die Samenkörner in die Ackerfurchen auf und lässt sie keimen und gedeihen, damit die Menschen im Herbst eine gute Ernte haben und ein Überleben des harten Winters gesichert ist.


Die Erdmutter ist empfängnisbereit für die Samenkörner - Raum und Mensch - Schule für Geomantie und Radiästhesie
Die Erdmutter ist empfängnisbereit für die Samenkörner

Von dieser Festzeit im März kündet auch das weit in vorchristliche Zeiten zurückreichende Volkslied „Im Märzen der Bauer“.


Die erste Strophe lautet:

„Im Märzen der Bauer die Rößlein einspannt;

er setzt seine Felder und Wiesen in Stand,

er pflüget den Boden, er egget und sät

und rührt seine Hände frühmorgens und spät.“


In der letzten Strophe wird auf die Fülle der Ernte im Herbst hingewiesen:

„Und ist dann der Frühling und Sommer vorbei,

so füllet die Scheuer der Herbst wieder neu;

und ist voll die Scheuer, voll Keller und Haus,

dann gibt's auch im Winter manch fröhlichen Schmaus.“


Die schwangere Vegetationsgöttin

Für die neolithischen Ackerbauern symbolisierte die Göttin und Erdmutter die Fruchtbarkeit der Erde. Der schwangere Bauch der Göttin und somit der schwangere Bauch einer Frau wurden mit der Fruchtbarkeit der Felder und Äcker in Analogie gesetzt. Eine schwangere Frau hatte also die magische Fähigkeit, Fruchtbarkeit zu spenden bzw. diese zu beeinflussen. So wie die Frau mit neuem Leben schwanger wird, es keimen und gedeihen lässt, so wird auch die Erde mit dem Samenkorn schwanger, lässt es keimen und wachsen.

Diese magische Kraft einer schwangeren Frau, bzw. der schwangeren Göttin, erkennt man an zahlreichen jungsteinzeitlichen Göttinnen-Figurinen, auf deren Bauch eine Raute und ein Punkt aufgemalt oder eingeritzt sind, bzw. verschiedene Varianten davon. Der Punkt steht dabei symbolisch für den Samen und die Raute vertritt den bestellten Acker – ein Ideogramm für die Invokation der Fruchtbarkeit in Feld und Acker. Es waren Ritualfiguren, die im Zuge der Jahreskreisfeste der frühen Ackerbaukulturen aktiviert wurden, um die magische Kraft der Fruchtbarkeit auf Felder und Äcker zu übertragen.


Die schwangere Vegetationsgöttin: Bilder entnommen aus: Göttinnen und Götter im alten Europa; Marija Gimbutas; 2010 Arun-Verlag - Raum und Mensch - Schule für Geomantie und Radiästhesie
Die schwangere Vegetationsgöttin: Göttinnen-Figurinen 6000 bis 4000 v.u.Z. - Bilder entnommen aus: Marija Gimbutas; Göttinnen und Götter im alten Europa; S. 207; 2010 Arun-Verlag

Maria Verkündigung

Mit dem Vordringen der patriarchalen Kulturen und des Christentums wurden sukzessive die alten, nun heidnischen Bräuche und Feste zu Ehren der Erdmutter und Vegetationsgöttin verboten, und an ihre Stelle traten katholisch/christliche Feste.

An die Stelle der Erdmutter trat bei den Christen Maria als Gottesmutter und Mutter Jesu, den sie in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember geboren haben soll. Nun braucht es aber auch einen entsprechenden Zeugungsakt, den es bei der Jungfrau Maria aber nicht gegeben hat. Stattdessen gab es eine Verkündigung durch den Engel Gabriel. Zumindest erzählt uns das das Lukas-Evangelium:

  • Lk 1,28  Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.

  • Lk 1,29 Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.

  • Lk 1,30 Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.

  • Lk 1,31 Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.    

  • Lk 1,32 Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.

  • Lk 1,33 Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben.

  • Lk 1,34 Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?        

  • Lk 1,35 Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.


Maria - und somit auch die große Erdmutter - wurden zu bloßen Gebärerinnen degradiert. Maria wurde auch nicht gefragt, ob sie ein Kind empfangen möchte. Sie wurde vor vollendete Tatsachen gestellt, obwohl sie nicht dazu bereit war, was sie klar zu erkennen gab, indem sie sagte: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“. Dazu kommt der Heilige Geist über sie und die Kraft des Höchsten wird sie überschatten. Eine mehr oder weniger feine Umschreibung für eine Vergewaltigung.


Dieser Akt – Maria Verkündigung - wurde auf den 25. März gesetzt, genau 9 Monate vor Weihnachten. So wie Weihnachten an die Stelle des Beginns der Wiedergeburt der Vegetation zur Wintersonnenwende gesetzt wurde, wurde konsequent Maria Verkündigung an die Stelle des Festes zur wieder Empfängnisbereiten Erdmutter gesetzt.


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