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Auf der Vogeltenn brannte einst das Fackelfeuer zur Ankündigung der Jahreskreisfeste

Die Bedeutung von Flurnamen geht häufig weit zurück – oft bis ins Neolithikum. Auch der Flurname „Vogeltenn“ stammt aus einer längst vergangenen Zeit und hat nichts mit Vögeln zu tun, wie man vordergründig annehmen könnte.


Flurnamen sind Bezeichnungen für einen Ort und sollen diesen Ort eindeutig beschreiben, damit er von den Menschen auch gefunden werden kann. Meistens wurde er entsprechend der Umgebung, die ihn kennzeichnete bzw. den Zweck, dem er diente, umschrieben. Sie wurden nach etwas ortsbestimmenden benannt. Der Ort wurde wahrscheinlich zunächst umschrieben, wie etwa „beim Brunnen (Quelle) auf der Anhöhe“, aus dem sich dann im Laufe der Zeit der Name z.B. Brunnegg (Egg ein altes Wort für Anhöhe) und später Bruneck entwickelte.


Die Beschreibung der Orte musste also immer eindeutig und beständig sein. Tiere und Pflanzen kommen deshalb kaum in Frage. Vögel – um zum Flurnamen Vogeltenn zurückzukommen - kommen überall vor und beschreiben einen Ort nicht eindeutig, daher hat der Flurname Vogeltenn sicher nichts mit Vögeln zu tun.


Es gibt eine Unzahl an Flurnamen, die mit „Vogel“ beginnen. Vogelwald, Vogelweid, Vogelmais, Voglau um nur einige zu nennen. Auch Abwandlungen von Vogel wie Fuggla, Fockla, Vöckla, Vokler, Fochlberg, Fockenstein oder auch Faak-Orte bei denen im Dialekt das a als o ausgesprochen wird, müssen dazu gerechnet werden.


Zunächst können wir beobachten, dass Vogeltenn Fluren fast immer auf einer Anhöhe liegen und einen hervorragenden Ausblick, oft auch eine komplette Rundumsicht auf die umgebende Landschaft, gemein haben. Woher leitet sich aber das Wort „Vogel“ für diese Orte ab? In Niederösterreich im Waldviertel gibt es einen Ort mit dem Namen Fuglau. Frühere Schreibweisen waren Fokela und Fuchala. Das volkslateinische Facula oder das althochdeutsche Facchela benennen die Fackel. Solche Flurnamen beschreiben eine Fackelberg bzw. einen Feuerberg. Hier wurden bei Bedarf Signal- und Kommunikationsfeuer.


Kommunikationssysteme im Neolithikum

Im Neolithikum, als ´die Menschen begannen sich niederzulassen, entstanden die ersten dauerhaften Siedlungen. Die Menschen dieser frühen Kulturepochen verehrten eine große Göttin, die sie in der Erde verkörpert erkannten. Sie erkannten in einem markanten Hügel in der Landschaft ihren Nabel oder Bauch oder in zwei gleichförmigen Hügeln den Busen der Göttin. An solchen Orten ließen sich die frühen Menschen bevorzugt nieder. Es waren ihre Wohn- und Kultorte. Man blickte von einem Kulthügel zum nächsten. Es entstanden Sichtlinien, die zu schnurgeraden Kultlinien wurden und so diese Orte verbanden. Diese Linien entwickelten sich zu einem weitläufigen (Fern-)Kommunikationssystem. Die Kommunikation erfolgte mittels Feuer von Hügel zu Hügel, von Kultplatz zu Kultplatz. Mit den Feuern wurden vor allem die heiligen Feste im Jahreskreis angekündigt, die vom ganzen Volk gefeiert wurden. Einige dieser Feuerbräuche wie das Osterfeuer oder das Sonnwendfeuer haben sich bis heute gehalten.


Dieses Kommunikationssystem wurde von den Menschen der späteren Kulturen während der Bronze- und Eisenzeit (Kelten, Römern, Germanen etc.) übernommen, da es genauso einfach wie effektiv war. Die Feuer dienten jetzt aber mehr und mehr der Ankündigung von Gefahr, z.B. wie dem Eindringen Fremder Heere. Es waren nun nicht mehr Kultorte, sondern einfache Signalposten, die oft zu Festungen ausgebaut wurden.


Häufig finden wir in der nähe von „Vogel“ Fluren einen Hof, der sich Vogelhof oder oft auch einen „Licht“-Namen trägt, wie z.B. Lichtenegger.


Im Wort Tenne verbirgt sich das keltische „Teine“ bzw. „Teinen“, was für „Feuer“ oder „brennen“ steht. Die Vogeltenn bezeichnet ein „Fackel-Feuer“ oder die „brennende Fackel“


Die Vogeltenn bei Gutau im Mühlviertel

Vogeltenn-fluren finden wir an fast allen alten Siedlungsgebieten. Vielfach finden wir heute noch Vogeltennstraßen oder -wege. So auch in Gutau in Oberösterreich. Von der Vogeltennstraße zweigt in Richtung Westen eine Birkenallee auf die ursprüngliche Vogeltenn ab. Dort steht heute die Altzinger-Kapelle, ein Hinweis auf den alten Göttinnen-Kultplatz.

Die Vogeltenn mit der Altzinger-Kapellebei Gutau im Mühlviertel | Blog | Raum und Mensch - Schule für Geomantie und Radiästhesie
Die Vogeltenn mit der Altzinger-Kapelle bei Gutau im Mühlviertel

Ausblick von der Vogeltenn in Gutau | Blog | Raum und Mensch - Schule für Geomantie und Radiästhesie
Ausblick von der Vogeltenn in Gutau

Wenn ihr Vogeltenn Fluren findet, bin ich dankbar um eure Hinweise. Ihr könnt mit gerne eine Nachricht schicken oder hier einen Kommentar verfassen.


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146 Ansichten4 Kommentare

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4 Comments


Unknown member
Apr 19, 2022

liebe leut=) in neumarkt im mühlkreis gibt es einen hügel der sich tannberg nennt https://www.neumarkt-muehlkreis.ooe.gv.at/kreuzweg_und_tannbergkapelle_2


unweit dieser kapelle richtung nordwest befindet sich mitten in dem kleinen Wäldchen ein stein in herzform… ein lieblingsplatz von mir- und gerade im hoch sommer spät abends begleitet mit den glühwürmchen ein wunderbarer ort… seit gesegnet- euer gösta!

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Unknown member
Mar 07, 2022

Vogeltenn ist weit entfernt vom Schönanger.

Am Schönanger befindet sich eine wahlfahrtskirche. Die Aussicht ist eher Richtung St. Blassen gerichtet.

Mir wurde einmal erzählt, dass zwischen Schönanger, Mühlstein Boden und noch einem dritten eher unscheinbaren Platz (angeblicher keltischer Platz) eine Verbindung ist. Die 3 Punkte ergeben ein Dreieck.

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Unknown member
Feb 25, 2022

Auch in St. Lambrecht im Bezirk Murau gibt es einen Vogeltenn. Dort habe ich Skifahren gelernt.

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Unknown member
Feb 26, 2022
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Danke für de Hinweise ☺️!!! Hab mir die älteren Karten der Gegend angesehen. Da gibt es auch einen Schönanger. Ist die Vogeltenn dort in der Nähe? Schön-Fluren haben auch nichts mit schöner Aussicht zu tun - die sie meistens auch haben - sondern leiten sich von Schein und scheinen ab. Sind also auch "Feuerberge".

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