Das Maifest: Liebe, Fruchtbarkeit und die Geburt der roten Göttin
- 28. Apr.
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 30. Apr.
Die Maienzeit ist eine Zeit der Fülle, der Liebeskraft und des jungen Lebens. In den matriarchalen Kulturen wurde sie als Übergang in die hellste Zeit des Jahres gefeiert – mit Ritualen, Symbolen, Tänzen, Feuer und Bräuchen, die bis heute in unserem Alpenraum nachklingen.
Jahreskreisfeste und die irdisch-kosmische Natur
Die Jahreskreisfeste matriarchaler Kulturen, die bis heute in vielen verschiedenen Bräuchen und Traditionen in unserem Alpenraum durchscheinen, orientierten sich an der zyklischen, irdisch-kosmischen Natur. Hinter allem erkannten die matriarchalen Menschen eine lebensschöpferische, weibliche Kraft, die in allen Dingen wohnte. Sie ist die allem immanente kosmische Ordnung.
Unsere Vorfahren des Alten Europas – im Sinne von Marija Gimbutas – erlebten sich eingebunden in die Natur, eben weil sie sich als einen Aspekt der vielfältigen Natur, des kosmischen Geschehens, sahen. Dabei war die Natur kein bloßes Objekt, sondern ein Wesen, mit dem kommuniziert wurde, denn die alleinige Beobachtung der Natur reichte nicht aus, um tief mit ihr in Verbindung zu treten.
Diese Kommunikation erfolgte in einer nicht verbalen, bildlichen Sprache über Symbole, Tanz, Spiel, Gesang, kultische Mahlzeiten, also entsprechende, an die kosmische Zeit im Jahreslauf angepasste Rituale. Dabei ging es nicht darum, durch Beschwörung oder irgendwelche Zauberformeln die Natur zu manipulieren oder sie gar zu beherrschen und Macht über sie zu gewinnen, sondern darum, die Verbundenheit, das Eingebundensein in die irdisch-kosmische Natur und das Vertrauen in die weiblich-mütterliche Kraft auszudrücken, zu bezeugen, zu bekräftigen und generell das lebendige Leben in all seinen Erscheinungen zu feiern.
Die Maienzeit: Vom jungen Leben zur Liebeskraft
Mit dem Mai beginnt im Jahreskreis eine Zeit besonderer Lebenskraft. Die Erde zeigt sich in ihrem grünen Kleid, die Natur steht im Hochfrühling, und überall wird Wachstum, Sinnlichkeit und Fruchtbarkeit sichtbar.
Mit dem Frühlingsfest um die Tagundnachtgleiche herum wurde das neue Leben begrüßt, der Übergang von der dunklen in die helle Zeit des Jahres. Mit dem Maifest im Hochfrühling beginnt die hellste Zeit im Jahreslauf. Die Natur hat sich, im übertragenen Sinn, vom kleinen Kind zum jungen Erwachsenen mit erwachender Liebeskraft entwickelt. Die gesamte Natur versprüht und lebt diese sinnliche Liebeskraft, die Lust am jungen Leben.
Die Erde hat ihr grünes Kleid angelegt. Bäume, Wiesen und Felder leuchten in unterschiedlichen Grüntönen. Grün ist die Farbe der Lebenskraft, der Wachstumskraft, die die Erde jetzt verkörpert.
Maifest: Mythologie – Symbolik – Brauchtum
Die Geburt der roten Göttin
Im Sinne der matriarchalen Symbolik wird mit dem Mai die Gestalt der roten Göttin aus der weißen Göttin heraus geboren. Diesen Prozess erkennt man sehr schön am Bild der drei Bethen in der Nikolauskirche in Klerant oberhalb von Brixen. Der weiße Aspekt, die Frühlingsgöttin, hat ein grünes Kleid an und darüber einen weißen Mantel, dessen Innenseite rot ist. Jetzt im Mai wendet sie den weißen Mantel und trägt das Rot nach außen, was der Geburt der roten Göttin entspricht.
Auch in Botticellis Darstellung der Geburt der Venus ist dieser Übergang deutlich erkennbar. Von rechts kommt die Frühlingsgöttin im weißen Kleid, deren Zeit jetzt abgelaufen ist, und legt der gerade aus dem Meer geborenen Venus das rote Kleid um.
Die Drei Bethen von Klerant und die Geburt der Venus von Botticelli
Das Fest zur Geburt der roten Göttin (heute auch bekannt unter Walpurgis oder Walpurgisnacht) geht den vielen weiteren Maifesten voraus. In der Nacht auf den 1. Mai wird die Geburt der Liebesgöttin gefeiert, die in dieser Nacht als roter Aspekt aus dem weißen Aspekt der dreigestaltigen Göttin hervorgeht.
Es wird das Maifeuer entzündet. Die Frauen tanzen weiß gekleidet, lärmend und singend um das Feuer; sie rufen die „rote Göttin“ herbei. Sie sind ihre Geburtshelferinnen, die Hebammen, die im Rahmen des Festes auch eine Strohpuppe verbrennen, die symbolisch für die weiße Göttin steht, deren Zeit für dieses Jahr vorüber ist.

Der Wilde Mann und die Maibräuche
Im Grünen Mann oder Wilden Mann wird die männliche Natur symbolisiert, die jährlich von Neuem um die Gunst der roten Liebesgöttin wirbt.
Heute noch gibt es Flurumgänge, bei denen eine von Kopf bis Fuß in grünes Laub und frische Zweige, oft Birkenzweige, eingehüllte Person von Frauen oder jungen Mädchen über die Felder geführt wird, um diese zu befruchten und das Wachstum zu fördern. Vielfach wurden diese Mai-Bräuche von der Kirche übernommen und auf das kirchliche Pfingsten verlegt. Ein schönes Beispiel für einen solchen Flurumgang gibt es in Patzmannsdorf in Niederösterreich, wo ein Umzug mit dem „Pfingstkönig“ bis heute praktiziert wird und seit dem 16. Jahrhundert belegt ist.

Ein Schüler der letzten Hauptschulklasse wird zum Pfingstkönig gekrönt und trägt ein Gestell, das vollständig mit Lindenzweigen bedeckt ist. Drei Pfingstrosen auf der Spitze des Gestells symbolisieren die rote Göttin, die er umwirbt. Der so entstandene „Grüne Mann“ wird heute von Kindern durch das Dorf und nicht mehr über die Fluren geführt. An bestimmten Stellen wird Halt gemacht, der Pfingstkönig wird umtanzt und ein Lied gesungen:
„… Wir reisen dahin, wir reisen daherund bringen den Pfingstkönig daher. Aus grüner Au, aus grüner Au, das ist bei uns zu Pfingsten der Brauch …“
Aus der grünen Au kommt er als der Fruchtbarkeit bringende Wilde Mann.
Beim Kötztinger Pfingstritt wird ein Pfingstkönig gewählt, der auf einem mit grünem Laub geschmückten Pferd zu seiner Pfingstbraut reitet und sich mit dieser vor die wartende Menschenmenge begibt. Braut und Bräutigam sind Sinnbild und Symbold der Liebe für die ganze Stadt/Region.
Maibaum und Maientanz

Das bekannteste Maifest ist sicher das Aufstellen des Maibaums in vielen unterschiedlichen Varianten. Mancherorts werden die Häuser mit frisch geschnittenen Birkenzweigen geschmückt. In vielen Regionen des Alpenraums wird dafür eine Fichte gefällt, deren Zweige bis auf die obersten entfernt werden. Aus einem Teil der entfernten Zweige wird ein Kranz geflochten und mit bunten Bändern geschmückt. Dieser Kranz wird auf den Baum gehängt, und der Baum wird im Rahmen eines großen Volksfestes aufgestellt. Er symbolisiert die sexuelle Liebe, die Vereinigung von Frau im Symbol des Kranzes und Mann im Symbol des Baumes.
Beim anschließenden Maientanz halten junge Frauen und junge Männer jeweils ein Band in der Hand und verflechten die Bänder durch verschiedene Tanzbewegungen miteinander. Es wird angebandelt, Liebesbeziehungen werden geknüpft, und die Maienliebe wird gelebt. Alle Varianten der Maibäume sind Symbole der Liebe und Fruchtbarkeit und spenden den Gemeinschaften ihren Segen, auf dass Liebe und Friede das Leben durchziehen.
Vom Maibad zum Marienmonat Mai
Im Mai wurde auch ein Maibad in heiligen Quellen genommen. Das Wasser der Quellen entsprang aus den Tiefen der Erde und galt als das belebende und heilende Schoßwasser der Göttin. Um diese heidnischen Bräuche zu unterbinden, wurde der Monat Mai von der Kirche zum Marienmonat erklärt.
An vielen heiligen Quellen entstanden jetzt kirchliche Wallfahrtsorte zu Ehren Mariens. So wahrscheinlich auch bei den Heiligen Drei Brunnen in Trafoi. Heute ziehen nicht mehr die Frauen zu den drei Brunnen, sondern jährlich zu Pfingsten wird die Statue der Maria von der Pfarrkirche in Trafoi zur Marien-Wallfahrtskirche in Trafoi getragen.
Hexenverfolgung und die Umdeutung alter Festplätze
Die heidnischen Feste, die ja Feste der Liebe und Lebensfreude waren, waren der Kirche und der weltlichen Macht zunehmend ein Dorn im Auge. Vor allem die weisen Frauen, die sich der Missionierung widersetzten, kamen verstärkt in Bedrängnis. Sie wurden zu bösen Hexen verformt, die gefährlich für Menschen und Tiere seien, und die Verfolgung dieser Frauen – und nicht nur dieser – gipfelte in den Hexenverfolgungen und Hexenverbrennungen des 16. und 17. Jahrhunderts, die aber teilweise bis ins 19. Jahrhundert anhielten. Keine Frau konnte sich sicher fühlen.
So sind heute viele der alten Festplätze, an denen die Geburt der roten Göttin unterstützt und gefeiert wurde, als Hexentanzplätze bekannt.
So zeigt sich das Maifest als vielschichtiges Fest der Liebe, der Fruchtbarkeit und der Verbundenheit mit der lebendigen Natur. In seinen Symbolen, Bräuchen und Bildern lebt eine alte Erinnerung weiter: an eine Zeit, in der Mensch, Erde und Kosmos nicht getrennt voneinander gedacht wurden, sondern als miteinander verwobenes Ganzes.
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Ritualausbildung
Termine: Die Ritualausbildung findet einmal jährlich im Biolandhaus Arche in Kärnten statt.
Umfang: 6 intensive Tage.
Zertifizierung: Abschluss mit offiziellem Zertifikat.
Leitung: Stephan Leiter (Geomant und Inhaber von Raum und Mensch – Schule für Geomantie und Radiästhesie).
Fragen: zu Inhalt, Ablauf, Ort, Anreise, Unterkunft etc. an info@raumundmensch.org
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Geomantieausbildung
Jährlicher Start: Die Ausbildung beginnt einmal pro Jahr im März
Umfang: 9 Module, von März bis November.
Veranstaltungsorte: Wechselnde Orte in Deutschland, Österreich und Südtirol (je nach Modulthema).
Teilnehmerkreis: Geschlossene Gruppe mit maximal 12 Personen.
Zertifizierung: Abschluss mit offiziellem Zertifikat.
Fragen: zu Inhalt, Ablauf, Ort, Anreise, Unterkunft etc. an info@raumundmensch.org
Leitung: Stephan Leiter (Geomant und Inhaber von Raum und Mensch – Schule für Geomantie und Radiästhesie).
Jetzt informieren und anmelden: https://www.raumundmensch.org/geomantieausbildung









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