Riten, Ruten, Liebeslose: Die wilden Wurzeln des Valentinstags
- 9. Feb.
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Fruchtbarkeitsrituale im alten Rom

Im alten Rom wurden um den 14. Februar die Lupercalien gefeiert (lat. lupercalia, von lupo = Wolf). Dieses Hirtenfest fand zu Ehren des Herdengottes Faunus statt – der in der griechischen Mythologie dem Hirtengott Pan entspricht.
Das genaue Datum aller römischen Festtage wurde vom „Opferkönig“ (Rex Sacrificulus oder Rex Sacrorum) bestimmt. Der Festtag im Februar wurde auch als „Dies februatus“ bezeichnet – der Tag der Reinigung (februatio) und Sühnung von negativen Einflüssen. Mit diesem Akt wurden der Frühling und die erwachende Fruchtbarkeit willkommen geheißen.
Der Ursprung in der heiligen Grotte
Die Feierlichkeiten begannen im Lupercal, einer dunklen Grotte am Fuße des Palatins, einem der sieben Hügel Roms. Hier soll der Legende nach die Wölfin Romulus und Remus gesäugt haben. In dieser Grotte wurden Faunus Opfergaben dargebracht.
Als Opfertiere dienten Ziegenböcke (und laut Plutarch vereinzelt auch Hunde). Um die Lebenskraft symbolisch zu übertragen, berührte man die Stirn zweier Priester (Luperci) mit dem blutigen Schlachtmesser. Nach dem Opfermahl hüllten sich die Priester in die Felle der Böcke. Aus weiteren Fellen schnitten sie Riemen und zogen so – nur mit dem Fell bekleidet – durch die Straßen um den Palatin.
Menschen und Tiere, denen sie begegneten, wurden mit den Riemen berührt, um Fruchtbarkeit zu übertragen. Besonders Frauen mit Kinderwunsch suchten die Nähe der Priester und baten darum, mit den Riemen berührt zu werden.

Von der Göttin zum Gott
Dieser Brauch erinnert stark an die Perchtenläufe im Alpenraum. Auch die Perchten – Symbolgestalten der Großen Göttin – berühren Menschen und Vieh mit Weidenruten, um Segen und Fruchtbarkeit zu spenden.
Wie so viele Feste zu Jahresbeginn sind auch die Lupercalien ein Fruchtbarkeitsfest, wenngleich sie bereits patriarchal geprägt waren: Männliche Götter ersetzten die Göttin, Priester traten an die Stelle der Priesterinnen, und Opferriemen ersetzten die Weidenrute. Der Kern blieb jedoch gleich: Das Analogiedenken, wonach die Stellvertreter der Gottheit die Kraft der Natur auf die Gemeinschaft übertragen.
Wandel zum Liebesfest
Über die Jahrhunderte verblasste das tiefere Verständnis dieser Rituale. Sie wurden zu Brauchtum und Volksbelustigung. Schließlich entwickelten sich die Lupercalien zu einem Liebesfest: Junge Frauen schrieben ihre Namen auf Papyrusstreifen, die von jungen Männern per Los gezogen wurden. Gemeinsam feierte man ein spirituelles Fest der Verbindung.
Die Christianisierung und der Heilige Valentin

Mit dem Aufkommen des Christentums wurden „heidnische“ Bräuche oft verboten oder umgedeutet. Was sich nicht unterdrücken ließ, wurde entweder verteufelt (wie die „bösen“ Perchten) oder verniedlicht.
Papst Gelasius I. verbot Ende des 5. Jahrhunderts die Lupercalien als „unmoralisch“. Der Legende nach versuchte er, das Fest durch eine „Heiligenlotterie“ zu ersetzen, bei der jeder den Heiligen verehren sollte, den er per Los gezogen hatte. Da dies kaum Anklang fand, wurde der 14. Februar schließlich zum Gedenktag des Heiligen Valentinus erklärt.
Welcher Valentin genau gemeint ist, bleibt historisch unklar. Eine bekannte Legende besagt, dass ein römischer Priester namens Valentin im 3. Jahrhundert trotz kaiserlichen Verbots Soldaten traute und dafür als Märtyrer starb. In jedem Fall sollte durch den Heiligen Valentin das „heidnische Treiben“ verdrängt werden.
Der Weg zum heutigen Valentinstag
Ab dem 14. Jahrhundert etablierte sich in Frankreich, Belgien und später Amerika der Brauch, durch Los „Valentin und Valentine“ zu bestimmen, die für ein Jahr symbolisch verlobt blieben. In den Hansestädten trafen sich Zünfte zum Freundschaftsmahl.
Zudem galt der 14. Februar als „Vielliebchentag“, an dem traditionell der erste Feldsalat (Vielliebchen-Salat) geerntet wurde. Ein weit verbreiteter Volksglaube besagte zudem, dass ein Mädchen jenen Mann heiraten würde, dem es am 14. Februar als Erstes begegnet. Dies veranlasste verliebte Männer dazu, ihrer Angebeteten so früh wie möglich Blumen zu überreichen – so entstand der Valentinstag, wie wir ihn heute kennen.





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