Die große dreigestaltige Göttin am Frauenberg bei Mödling

Aktualisiert: 2. Sept 2020


Ein Frauenberg. Eine Bezeichnung für einen Hügel. Viele Menschen besuchen Orte wegen der schönen Aussicht, der angenehmen Stimmung oder einfach um sich fit zu halten.

Aber wenn ein Ort Frauenberg heißt, ist das häufig ein Hinweis, dass dieser Ort bereits lange vor unserer Zeitrechnung und vor Aufkommen des Christentums als Kultplatz Bedeutung fand.

Ich wohne noch nicht sehr lange in Breitenfurt bei Wien. Ich bin letzten Oktober aus Graz hierher übersiedelt. Rund um Graz hatte ich im Laufe der Zeit viele Plätze mit ganz unterschiedlichen geomantischen Besonderheiten gefunden.

Ich war also sehr gespannt welche Plätze mich rund um meinen neuen Lebensmittelpunkt rufen werden.

Es hat nicht lange gedauert und ich bin am Frauenberg bei Mödling angekommen. Er hat mich sozusagen gerufen und ich bin dem Ruf gefolgt.

Ich begann also mit einer Recherche, was es mit dem Frauenberg bei Mödling so auf sich hat. Ich musste nicht lange suchen und schon stieß ich auf eine Sage, die geradezu beispielhaft die Geschichte der drei Bethen verpackt:

„Am Frauenberge wohnten einst drei wunderliche Frauen, deren Hütten zwar nebeneinander, aber ganz seltsam beschaffen waren. Die älteste wohnte nämlich in einem Hause unter der Erde wie in einem Grabe. Die zweite, die Tochter der Alten und die Mutter der Dritten, in einer Hütte ganz im Grünen, die jüngste, ein Kind der Liebe, in einem Neste, nahe dem Himmel. Alle drei Frauen aber, ober, auf und unter der Erde, spannen.

Da kamen drei Wanderer aus fernem Lande, Großvater, Vater und Sohn und hörten von den seltsamen Frauen am Berge und da sie nimmer weiter wollten, beschlossen sie, um die drei Frauen, Großmutter, Mutter und Tochter zu werben. Der eine war ein alter Arzt, der andere ein kühner Jäger und der jüngste ein froher Sänger. Als sie auf dem Frauenberge ankamen da fanden sie auch die drei Hütten, über, auf und unter der Erde und alle drei Frauen zu Hause.

Die eine grub, die andere spann und die jüngste sang. Das gefiel den Freiern und sie baten um einen Unterstand für drei Tage Rast; und das Nestkind nahm den Sohn, die Hüttenfrau den Vater und die ganz Alte den Großvater gar gastlich auf.

Dreimal drei Tage blieben sie. Der junge Sänger sang voll Glück unter dem Lotterbettchen seiner Holden gar schöne Liebeslieder, der tapfere Jägersmann half dem Hüttenweibe bei aller Arbeit und der gelehrte Arzt grub mit der ganz Alten nach heilsamen Wurzeln und Pflanzen.

Und als der dritte Tag verging, da fanden die drei Männer so viel Gefallen an den Frauen, dass sie für immer bei denselben bleiben wollten.

Als der Jüngste nun die Jüngste frug, ob sie sein Eheweib werden wollte, da hatte diese allerhand Ausreden auf die Mutter und als der Älteste um die Großmutter warb, auch diese wieder die gleichen auf die Tochter und so kam kein ehelicher Handel zustande. Nur die Tochter der Alten und die Mutter der Jungen ließ sich nicht bitten, denn sie war nicht glücklich und nahm den fremden Jäger zum ehelichen Manne. Als aber diese beiden von der Hochzeit nach Hause kamen, waren die anderen Frauen verschwunden und als der Arzt mit dem Sänger betrübt von der Suche zurückkehrten, mussten sie erkennen, dass sie nicht dreimal drei Tage sondern dreimal drei Jahre am Frauenberge verbracht hatten“

Wer sind nun diese drei Frauen, die am heutigen Frauenberg wohnten?

Der Mond mit seinen drei Phasen - zunehmend, Vollmond und abnehmend - als rhythmusgebender Himmelskörper gab den Menschen Struktur und Ordnung. Er war auch ein Symbol für das Wasser, die Fruchtbarkeit und das Weibliche (unter anderem im italienischen ist der Mond weiblich: La Luna). Die Phasen standen auch für die Lebensphasen des Menschen Jugend, Reife und Alter.

Hier haben wir bereits die ersten Anknüpfungspunkte zur Sage: Es waren drei Frauen (Fruchtbarkeit, Weiblichkeit) in den verschiedenen Phasen des Lebens - Jugend - die Tochter, Reife - die Mutter, Alter - die Großmutter.

In der damals noch matrifocalen Welt spiegelten sich darin die drei Seiten der großen Göttin – die weibliche Dreifaltigkeit – die Jungfraugöttin, die Muttergöttin, und die Weise Göttin. Sie verkörpern als göttliche Triade von Erd-, Mond- und Sonnenfrau die drei lebensspenden Kräfte Sonne, Mond und Erde und spiegeln den großen Kreislauf, die Geburt, das Leben und die Erneuerung mit dem Tod.

Hier erkennen wir weitere Anknüpfungspunkte zur Sage: Die Jungfraugöttin sitzt nahe dem Himmel in einem Nest, sie verkörpert die Sonne, das strahlende, das Helle das Weiße, die Jungfräulichkeit, den Frühling, den Morgen, den Beginn, den Sonntag (die Woche beginnt eigentlich am Sonntag).

Die Muttergöttin sitz auf der Erde in einem Haus ganz im Grünen. Sie kann aus dem Vollen schöpfen. Die Erde ist in ihrer vollen Kraft. Sie verkörpert den Sommer, den Mittag, die Hochzeit (sie heiratet als einzige der drei Frauen). Sie steht für den roten Aspekt und die Fruchtbarkeit.

Die Reife Göttin sitz unter der Erde, wie in einem Grabe und gräbt nach Wurzeln. Aus den Wurzeln entsteht das Neue. Sie verkörpert die Wandlung vom Vergehenden zum Entstehenden. Sie hält durch diese Erneuerung den Kreislauf am Laufen. Sie verkörpert das Schwarze als Symbol der fruchtbaren Erde, die neues Leben hervorbringt. Schwarz als Symbol des Reichtums.

Im keltisch- germanischen Raum entwickelten sich aus der Dreifaltigkeit der Muttergöttin die drei Göttinnen Borbet, Ambet und Wilbet. Im keltische steht das „BET“ für soviel wie ewig oder immerwährend. Sie stehen für die ewige Sonne, die ewige Erde und den ewigen Mond. Das kann als die Gesamtheit unserer Welt verstanden werden. Also verkörpern sie die ewige Welt.

Darauf spielt auch die Zahl drei in der Sage an. Dreimal drei Tage, dreimal drei Jahre: Hier erkennt man den Ganzheitsaspekt. Die Drei vollendet die Zweiheit zur Dreiheit.

Die drei heiligen Mad'ln

Heute im christlichen Europa sind diese drei Frauen bekannt als die drei heiligen Mad'ln:

Margaretha mit dem Wurm,

Barbara mit dem Turm,

Katharina mit dem Radl

des san die drei heiligen Madl!


Die heilige Barbara tradiert Borbet im Christentum weiter. Sie spiegelt die Jungfraugöttin wider (Barbara sollte der Legende nach zur Ehe gezwungen werden lehnte diese aber kategorisch ab), den weißen Aspekt. Barbara wird meist mit dem Attribut des Turmes dargestellt – als kosmischer Aspekt, als Einstrahlungspunkt.

Margaretha mit dem Wurm erzählt die Geschichte der roten Muttergöttin Ambet weiter. Als Symbol wird ihr ein Wurm in Form einer Schlange oder eines Drachens zugeordnet, beides Symbole der Urkraft und Fruchtbarkeit. Erst mit dem aufkommenden Christentum wurden diese zu Tieren des Bösen.

Katharina mit dem Radl repräsentiert Willbet, die schwarze Göttin der Weisheit. Das ihr zugeordnete Symbol, das Rad, zeugt vom ewigen Wandel.

Die drei Aspekte der Muttergöttin findet man auch in unterschiedlichen Darstellungen von Maria. Die weiße Maria (mit weißem Kleid), die rote Maria (mit rotem Kleid) und die schwarze Maria (schwarzer Hautfrabe).


Auch Anna Selbdritt, eine christliche Ikonographie der heiligen Anna mit ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind, kann als Ableitung von der Dreifaltigkeit der großen Göttin gedeutet werden.


Die drei Schicksalsfrauen

Sie sind auch als die drei Schicksalsfrauen - als Spinnerinnen des Glücks – bekannt und tauchen so in vielen Märchen und Sagen auf.

Die weiße Jungfrau Göttin Borbet - die heilige Barbara - spinnt den Schicksalsfaden, die rote Muttergöttin Ambet - die heilige Margaretha - teil den Faden zu (die Länge des Fadens – also wie lange das Leben dauern soll), und die schwarze weise Göttin Willbet schneidet den Faden ab.

Aus dem Namen Frauenberg und der Sage, die sich um den Berg rankt, kann davon ausgegangen werden, dass hier ein Kultplatz zur Huldigung der großen Göttin war.

Wir besuchen diesen besonderen Platz (ich bezeichnen Ihn für mich als Kraftort) mehrmals im Jahr. Wir ehren die Muttergöttin mit Ritualen und können die Urmutterqualitäten des Platzes wahrnehmen

Bei Interesse melden sie sich bitte unter https://www.raumundmensch.org/exkursionen an.

Bis bald und immer nach dem Motto…

IMMER IST'S EIN VIELES.

Stephan

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