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Raum und Mensch - Schule für Geomantie und Radiästhesie

Die Wintersonnenwende

  • 21. Dez. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

und über den Rhythmus allen Lebens

Die Wintersonnenwende - Raum und Mensch -. Schule für Geomantie und Radiästhesie
Die Wintersonnenwende

Unser Leben wird bestimmt von einem zyklischen Puls. Alles dehnt sich rhythmisch aus und zieht sich wieder zusammen. Auch wir Menschen sind eingebunden in diesen ewigen Rhythmus und werden von ihm getragen. Er erzählt eine sich wiederholende Geschichte vom Werden und Vergehen. Alles kehrt wieder und ist doch niemals gleich.

Aus dem scheinbaren Nichts heraus entsteht das Leben; es dehnt sich aus, tritt aus dem Inneren ins Äußere, in das große Sein – um sich unweigerlich wieder zusammenzuziehen und am Ende schicksalhaft im scheinbaren Nichts aufzugehen. In diesem weiten, dunklen Raum, dem Anfang und Ende von allem, darf es zur Ruhe kommen, sich verjüngen, erneuern und neue Lebenskraft schöpfen, um in einen neuen Zyklus einzutreten.

Im Jahreslauf sind wir nun tief in der dunklen Zeit angekommen. Zur Sommersonnenwende erreichte die Ausdehnung ihren Höhepunkt. Alles befand sich im Außen, strahlte in voller Pracht und lenkte unsere Aufmerksamkeit in die Welt. Es war die Zeit des reinen Seins. Und doch dreht sich das Jahresrad unabwendbar weiter. Zunächst unmerklich beginnt der Prozess des Rückzugs. Es wird ruhiger, die Farben verblassen, aus Blüten werden Früchte – es ist die Zeit der Fülle und Überfülle.

Zur Herbsttagundnachtgleiche ist alles im Gleichgewicht; Licht und Dunkelheit halten sich die Waage. Es ist eine Phase der Balance. Erst danach erkennen wir deutlich den sich beschleunigenden Prozess des Vergehens. Die Blätter fallen, die Sonne zieht ihre Bahn tiefer über den Horizont, die Tage werden rascher kürzer, die Farben gedeckt. Unsere Aufmerksamkeit wandert zunehmend nach innen. Eine große Stille breitet sich aus. Auch wir dürfen nun ruhen und Rückschau halten. Wir sammeln Kraft, um mit der Wintersonnenwende und der Wiederkehr des Lichts in einen neuen Zyklus hineinzugehen – bereit, uns erneut auszudehnen und die Abenteuer zu erleben, die wir aus dem uns zugeteilten Schicksalsfaden weben dürfen.


Die Rückkehr der Göttin zur Wintersonnenwende

Was hält der neue Zyklus bereit? Was ist in den Schicksalsfaden hineingesponnen? Diese Fragen beschäftigen die Menschheit seit Anbeginn der Zeit. In der Mythologie erkannten die Menschen in Mutter Erde jene Göttin, die das Schicksal aller bestimmte und das Jahresrad unermüdlich drehte. Sie zeigte sich im Wandel der Jahreszeiten in verschiedenen Aspekten. In der dunklen Zeit erscheint sie in ihrem schwarzen Aspekt: Sie schneidet den Schicksalsfaden ab und holt alles Leben zu sich zurück, um es zu verjüngen. Zur Wintersonnenwende kehrt sie als Mädchengöttin in ihrem weißen Aspekt wieder und hält das neue Schicksal in ihren Händen.


Die Rückkehr der Göttin in ihrem weißen Aspekt

Von dieser Rückkehr berichten viele Märchen, so auch die Sage von Frau Perchta und den Heimchen im Saaletal:

Die Rückkehr der Göttin - Raum und Mensch - Geomantie und Radiästhesie
Die Rückkehr der Göttin in ihrem weißen Aspekt

„In dem fruchtbaren Saaletal zwischen Bucha und Wilhelmsdorf hatte Perchta, die Königin der Heimchen, ihren Wohnsitz aufgeschlagen, und ihre unsichtbare Nähe verbreitete Glück, Gedeihen und Frohsinn über die ganze Flur. Mit den Heimchen waren die Bewohner des Tals so gut befreundet, dass sie bei ihren Feldarbeiten an den Spielen und Neckereien der Kleinen, an ihrem plötzlichen Erscheinen und Verschwinden ihre Freude hatten.So lebten die Leute lange Zeit ein glückliches Leben. Einmal aber entstand ein Zwist zwischen den Menschen und Perchta. Das hatte folgenden Grund: Vor langer Zeit kam ein ergrauter Mann aus der Fremde und warnte die Leute, man dürfe Perchta nicht trauen. Die Kleinen, über die sie herrsche, seien Menschenkinder, die vor der Taufe gestorben und dadurch der Perchta verfallen seien. Einmal im Jahr, in der Nacht vor dem Dreikönigsfest, sei ihr die Macht gegeben, den Menschen mit ihren Tücken mitzuspielen. Durch solche Reden wurden die Menschen misstrauisch und begannen Frau Perchta und ihre Heimchen zu fürchten; man mied sie ängstlich und schloss die Kinder in den Häusern ein.Am nächsten Perchtenabend wurde der Fährmann des Dorfes noch spät in der Nacht zur Überfahrt gerufen; es war um die zwölfte Stunde. Als er zum Saaleufer kam, sah er eine stattliche Frau, umgeben von einer großen Schar weinender Kinder. Erschrocken dachte der Mann daran, dass Perchtenzeit sei, und wollte zurückeilen. Aber die Frau forderte drohend die Überfahrt. Sie trat in das Fahrzeug, die Kleinen folgten und schleppten einen Pflug und anderes Gerät in den Kahn. Dabei klagten sie laut, dass sie nun die schöne Gegend verlassen müssten.Der Schiffer stieß ab, und als Perchta am anderen Ufer angelangt war, gebot sie ihm, nochmals zu fahren und die zurückgebliebenen Heimchen vollzählig herüberzuholen. Auch das geschah. Unterdessen hatte Perchta am Pfluge geschnitzt, deutete auf die Späne und sprach zum Fährmann: ‚Da nimm, das sei der Lohn für deine Mühe!‘Mürrisch steckte der Mann ein paar der Späne ein, warf sie zu Hause auf das Fensterbrett und legte sich schlafen. Am nächsten Morgen lagen drei Goldstücke an dem Platz, wo die Späne gelegen hatten. Am ganzen Saaleufer fand der Fuhrmann keinen der Holzspäne mehr, so eifrig er auch danach suchte.“


Dieses bereits patriarchal beeinflusste Märchen erzählt von der Rückkehr der Göttin, die hier ihren ursprünglichen Namen Perchta behalten durfte. Die Kinder stehen symbolisch für die Vegetation, die mit der Wintersonnenwende zur Erde zurückkehrt, aber auch für die Seelen, die aus der jenseitigen Welt verjüngt zurückkehren, um im neuen Jahr wiedergeboren zu werden.

Selbst als spätere Kulturen ihre eigenen Götter schufen und die dreigestaltige Göttin abzulösen versuchten, blieb sie in verschiedenen Formen präsent – etwa als Schicksalsfrauen, die den Lebensfaden spinnen, bemessen und abschneiden. Bei den Griechen waren es die Moiren, bei den Römern die Parzen, bei den Kelten die Matronen, in der nordischen Mythologie die Nornen und im Alpenraum bis ins Mittelalter die Saligen oder die drei Bethen.


Die Wintersonnenwende und die Rauhnächte

In der Zeit der Wintersonnenwende und der folgenden Rauhnächte, wenn die Göttin in ihrem weißen Aspekt mit dem Schicksalsfaden zurückkehrt, wurde seit jeher orakelt und um Segen gebeten. Der Keim für den neuen Zyklus ist gelegt, doch nur der Schicksalsgöttin ist bekannt, was daraus entstehen wird.

Durch Orakelrituale erfuhren die Menschen etwa, welches Getreide die beste Ernte bringen würde. Mit Pflanzen, die zur Sommersonnenwende oder während des „Frauendreißigers“ gesammelt wurden, räuchert man noch heute, um Schutz, Fruchtbarkeit und Fülle für das kommende Jahr zu erbitten.

Nachdem wir uns ausgeruht und Rückschau gehalten haben, können wir uns nun mit der Wintersonnenwende wieder langsam und behutsam nach außen dehnen. Wir hören hin und lassen uns tragen vom neuen Rhythmus des Werdens.

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