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Raum und Mensch - Schule für Geomantie und Radiästhesie

Vom matriarchalen Lichtfest zum patriarchalen Lichtmess

  • vor 12 Minuten
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„Zu Stephani a Muckngahn (ein Mückenschritt), zu Neujahr a Hahnentritt, zu Heilig Drei Könige a Hirschensprung und zu Maria Lichtmess a ganze Stund.“ So beschreibt der Volksmund die deutlich zunehmende Helligkeit in den vierzig Tagen nach Weihnachten: In dieser Zeit verlängert sich der lichte Tag zwischen dem 26. Dezember (Stephani) und dem 2. Februar (Maria Lichtmess) um gut eine Stunde.


Das patriarchale Lichtmess

Darstellung Jesus im Tempel - Raum und Mensch - Geomantie - Radiästhesie
"Darstellung" Jesus im Tempel

Den Vorstellungen patriarchal geprägter christlicher und jüdischer Religionen entsprechend (3. Buch Moses / Levitikus, Kapitel 12) wurden Frauen durch eine Geburt (kultisch) unrein – und zwar genau 40 Tage ab der Geburt eines Sohnes und 80 Tage ab der Geburt einer Tochter. Während dieser Zeit durften sie den Tempel nicht betreten.


Im selben Kapitel wird auch erklärt, dass sich Frauen nach vierzig bzw. achtzig Tagen nach der Geburt im Tempel durch ein Opfer rituell reinigen müssen: entweder ein Lamm und eine Taube, oder – wenn man sich kein Lamm leisten konnte – genügten auch zwei Turteltauben. Andernfalls durften sie keinen Tempel mehr betreten.


Jeder erstgeborene Sohn galt laut Kapitel 12 als Eigentum Gottes. Er wurde in den Tempel gebracht, um ihn Gott „darzustellen“ (zu präsentieren) und ihn durch ein Geldopfer wieder „auszulösen“.


Das galt auch für Maria, als sie ihren Sohn Jesus gebar: Nach 40 Tagen (also zum heutigen Lichtmess) ging sie in den Tempel, präsentierte ihren Sohn dem greisen Simeon und der Prophetin Hanna und reinigte sich rituell. Als Opfer brachte sie zwei Tauben mit. Simeon erkennt in dem Kind den Messias und nennt Jesus ein „Licht zur Erleuchtung der Heiden“. Auf diesem Satz beruht die gesamte Lichtsymbolik dieses Tages.


Die Geschichte des christlichen Festes und seine Namen

Der ursprüngliche Name: „Hypapante“ (Die Begegnung)

In der frühen Kirche (ab dem 4. Jahrhundert in Jerusalem) und bis heute in der Ostkirche heißt das Fest griechisch Hypapante. Das Wort bedeutet „Begegnung“. Es betont den Moment, in dem das Alte Testament (vertreten durch die Greise Simeon und Hanna) dem Neuen Testament (Jesus) begegnet. Es war also von Anfang an ein Fest, bei dem Jesus im Mittelpunkt stand.


Der „römische“ Name: „Mariä Reinigung“ (Purificatio Mariae)

Als das Fest im 7. Jahrhundert im Westen (Rom) übernommen wurde, verschob sich der Fokus stark auf Maria. Maria gebar zu Weihnachten – also 40 Tage vor Lichtmess – Jesus und war damit ab der Geburt 40 Tage kultisch unrein und musste sich nun (zu Lichtmess) rituell reinigen. So kam es, dass der Feiertag in den katholischen Messbüchern bis zur Liturgiereform 1969 offiziell In Purificatione Beatae Mariae Virginis (Am Tag der Reinigung der seligen Jungfrau Maria) genannt wurde.

Während des Trullanum, dem Konzil von Konstantinopel, im Jahr 691 oder 692 wurde erfolglos versucht, das Fest der Reinigung Mariä oder Lichtmess abzuschaffen, da die Jungfrau Maria durch die Geburt Christi »keine Befleckung erlitt und daher auch keine Reinigung benötigte«.


Der heutige Name: „Darstellung des Herrn“ (Praesentatio Domini)

Seit der Liturgiereform (1969) nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat die katholische Kirche den Namen offiziell geändert. Man wollte zurück zum biblischen Ursprung. Es geht in der Erzählung primär darum, dass Jesus als Erstgeborener Gott „dargestellt“ (präsentiert) wird. Damit wurde aus dem Marienfest („Reinigung“) wieder ein Herrenfest (ein Fest Jesu Christi). Deshalb ist die liturgische Farbe heute Weiß.


Der Volksname: „Mariä Lichtmess“

Dieser Name entwickelte sich im deutschen Sprachraum im Mittelalter parallel zum lateinischen Namen. Er leitet sich rein pragmatisch von der Lichter-Messe ab (mittelhochdeutsch lieht = Licht). Da an diesem Tag die Kerzen für das ganze Jahr geweiht wurden und Lichterprozessionen stattfanden, wurde dies für das Volk das prägendste Merkmal. Der Name hielt sich so hartnäckig, dass er bis heute bekannter ist als der offizielle Titel.


Bedeutung der christlichen Symbole und Bräuche

Der Name „Lichtmess“ kommt von Licht-Messe. Die Symbolik des Lichts steht im Zentrum:


Kerzenweihe & Lichterprozession: An diesem Tag werden traditionell die Kerzen für den kirchlichen Gebrauch des ganzen kommenden Jahres gesegnet. Auch Gläubige bringen ihre privaten Kerzen zur Segnung mit. Die brennenden Kerzen in der Prozession symbolisieren, dass Christus als das Licht in den Tempel einzieht.


Weihnachtlicher Abschluss: Liturgisch endet die Weihnachtszeit zwar heute bereits mit dem Fest der „Taufe des Herrn“ (erster Sonntag nach dem 6. Januar), aber traditionell bildet Lichtmess den Abschluss des weihnachtlichen Festkreises. In vielen Kirchen und Häusern bleiben die Krippen und Weihnachtsbäume bis zum 2. Februar stehen („Weihnachten bis Lichtmess“).


Blasiussegen: Da der Gedenktag des Heiligen Blasius direkt danach folgt (3. Februar), wird oft schon an Lichtmess der Blasiussegen (mit zwei gekreuzten Kerzen) gegen Halskrankheiten gespendet.


Gesellschaftliche Bedeutung

Früher hatte der Tag auch eine enorme weltliche Bedeutung („Bauernneujahr“): Für Knechte und Mägde begann an Lichtmess das neue Arbeitsjahr. Sie bekamen ihren Jahreslohn ausgezahlt und konnten den Arbeitgeber wechseln oder ihren Vertrag verlängern.

Noch bis 1912 war Mariä Reinigung – oder im Volksmund Maria Lichtmess – ein offizieller Feiertag und „Schenkeltag“. Der Name hat wahrscheinlich mit dem „Umherschlendern“ oder dem Wechseln des Dienstortes der Mägde und Knechte zu tun. Das Wort beschreibt das freie Herumziehen von einem Hof zum nächsten oder das gemütliche Einkehren im Wirtshaus. Knechte und Mägde hatten nach Lichtmess meist zwei bis drei Tage frei, bevor sie am 5. Februar (Sankt Agatha) oder spätestens am 6. Februar beim neuen Bauern ihren Dienst antreten mussten. Dies waren oft die einzigen echten Urlaubstage im ganzen Jahr.


Je nach Region (Bayern, Österreich, Franken) gab es unterschiedliche Bezeichnungen:

  • Schlenggeltag: vor allem in Oberösterreich und Salzburg verbreitet.

  • Schlingeltag: eine Variante im bayerischen Raum.

  • Schenkeltag: oft in Zusammenhang mit dem „Schenken“ – Dienstboten bekamen zu ihrem Lohn manchmal ein besonderes Geschenk vom Bauern (z. B. ein Kleidungsstück oder ein paar Schuhe), wenn sie im nächsten Jahr wiederkamen.

An diesem Tag wurden oft Zinsen und Pachten fällig. Das Sprichwort „Zu Lichtmess bei Tag z’Nacht ess’“ deutet darauf hin, dass die Tage nun wieder lang genug sind, um das Abendessen ohne künstliches Licht einzunehmen.


An Lichtmess wurden Orakel für die bevorstehende Jahreszeit konsultiert, insbesondere in Bezug auf das Wetter. Die Bauernregeln künden noch heute von der alten Bedeutung: „Wenn’s an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit, ist es aber klar und hell, kommt der Lenz wohl nicht so schnell.“


Tiere, die aus ihrem Winterschlaf erwachten, konnten hilfreiche Vorhersagen über das Ende des Winters machen. In Nordamerika wird Lichtmess heute noch als Groundhog Day (Tag des Waldmurmeltiers) bezeichnet. Ein alter Vers besagt, dass schönes und trockenes Wetter an Lichtmess bedeutet, dass der Winter noch einmal zurückkehrt; regnet es jedoch an diesem Tag, dann ist der Winter endgültig vorbei.


Vorchristliche Ursprünge

Doch auch das christliche Lichtmess hat – wie so viele christliche Festtage – seinen Ursprung und seine Wurzeln weit zurück in vorchristlicher Zeit, als die Spiritualität der Menschen noch auf der irdisch-kosmischen Natur in ihren vielfältigen Erscheinungen beruhte: dem Himmel mit seinen Sternen, der Erde mit all ihren Kräften und Lebensformen und den vielen unsichtbaren Reichen. Allem ist das Göttliche immanent.


Sie betrachteten die Welt als weiblich-göttlich, denn die Welt ist es, die mit ihrer Schöpferkraft alles Leben hervorbringt – so wie alle Wesen, die Leben hervorbringen, weiblich sind. Die Menschen betrachteten sich als gleichberechtigten Teil der Natur und sahen alles mit allem verbunden, was ein Kontinuum von wechselseitigen Wirkungen ergab.


Diese matriarchal geprägten Gesellschaften feierten das Jahr der Erde, die sichtbaren und spürbaren kosmischen Abläufe, die Kräfte der Natur, das Leben selbst in Geburt, Wachstum, Liebe, Reifwerden, Tod, Umwandlung und Wiedergeburt – so, wie es eben die Natur vorlebt.


Das Jahresrad - Raum und Mensch - Geomantie - Radiästhesie

So ergaben sich acht große Mysterienfeste entlang des Jahreslaufs, jeweils zu Beginn und zur Mitte der Jahreszeiten, denn alle sechs Wochen ist in der Natur ein Wandel sichtbar und spürbar. Ihre großen Volksfeste orientierten sich am Sonnenlauf:


  • Anfang Februar das Lichtfest und das Frühlingsfest zur Tagundnachtgleiche im März sind dem weißen, jugendlichen Aspekt der Göttin gewidmet;

  • das Maifest Anfang Mai und das Sommerfest zur Sommersonnenwende der Göttin der Liebe und des Lebens in Gestalt der Roten Frau.

  • Das Schnitterinfest Anfang August, das Herbstfest im September zur Herbsttagundnachtgleiche, Anfang November das Fest der Ahninnen und Ahnen und im Dezember zur Wintersonnenwende das Winterfest ist der weisen Alten in ihrem schwarzen Aspekt – als Todbringerin und Umwandlerin – gewidmet.


Das matrarchale Lichtfest

Das Lichtfest wird Anfang Februar gefeiert, im Hochwinter, wenn die Landschaft sich mit einem weißen Kleid schmückt. Zur Wintersonnenwende hat das Licht seinen tiefsten Punkt im Jahreslauf durchschritten, und jetzt, zu Lichtmess, ist die langsame Rückkehr des Lichts endgültig vollzogen: Die Tage sind nun spürbar länger geworden.

Mutter Erde im weißen Kleid - Raum und Mensch - Geomantie - Radiästhesie
Mutter Erde im weißen Kleid

Im Frost und der Kälte des Winters ist das Alte verwelkt, verdorrt und vergangen. Unter Eis und Schnee, in Stille, ruht die Natur in sich selbst und erneuert sich. Die Luft ist kalt und klar, das Licht ist hell, wenn die tiefstehende Wintersonne die weite Schneelandschaft bestrahlt – heller als zu jedem anderen Zeitraum im Jahreslauf. Die weiße Farbe dominiert.

Aus dem weißen Licht heraus werden im Laufe des Jahres sinnbildlich die sieben Spektralfarben geboren, die für die weiteren sieben Jahreskreisfeste und alles Weitere, was kommen mag, stehen. Alles Neue in Sprossen, Samen und Keimen ist bereit. Viele Tiere warten auf das Erwachen aus dem Winterschlaf. So steht die Farbe Weiß für Anfang, Neubeginn, Klarheit und Reinheit. Auch uns Menschen zeigt sich jetzt – wenn wir bewusst hinhören –, was das Jahr für uns bereithält.


Die Göttinnen

Bei den Matriarchalen Kulturen war das Lichtfest Anfang Februar der jugendlichen Göttin, dem weißen Aspekt der Göttin-Trinität, zugeordnet, die zur Wintersonnenwende aus dem schwarzen Aspekt hervorgegangen ist. Weiß steht am Anfang und bedeutet schlicht „Licht“. Das Lichtfest wird Anfang Februar gefeiert, im Hochwinter, wenn die Landschaft sich mit einem weißen Kleid schmückt. Zur Wintersonnenwende hat das Licht seinen tiefsten Punkt im Jahreslauf durchschritten, und jetzt, zu Lichtmess, ist die langsame Rückkehr des Lichts endgültig vollzogen: Die Tage sind nun spürbar länger geworden. Die Weiße Göttin erscheint zu Lichtmess als Lichtbringerin.


Bei den schon patriarchalen Kelten war es das Fest Imbolg (Imbolc), das im alten heiligen Jahreskreis dem großen Lammas-Fest gegenüberstand. In der katholischen Umdeutung wurde Imbolc [Imbolg] als Mariä Reinigung mit einem Frauennamen und Gedenktag verbunden: der heiligen Brigida [Brigitta] von Kildare. Das Fest der heiligen Brigid fand am ersten Februar statt und markierte im heidnischen Kalender den Beginn des Frühlings als Oimelc, Imbolc, Imbolg oder Imbule.


Brigid war viel älter als das keltische Irland; in Brighde erkennen wir das englische bright, also hell, strahlend. Brigid ist die strahlende Lichtbringerin, die in vielen Mythen als weiß bekleidet, mit blauem Mantel beschrieben wird. Sie beschreibt das Gesicht der Natur zu Lichtmess: schneebedeckte Erde unter einem strahlend blauen Himmel. Sie ist die Nachfolgerin der matriarchalen Weißen Göttin


Brigid wurde von den gälischen Kelten aus ihrer ursprünglichen Heimat Galatien nach Irland gebracht. Eines ihrer ältesten Heiligtümer war das illyrische Brigeto. Auch die beiden Quellflüsse der Donau, die Brigach und die Breg („Brigach und Breg bringen die Donau zuweg“), tragen ihren Namen. Birgantia war der römische Name für Bregenz. Am Hafnerberg in Niederösterreich, beim Fuchsbauer, wurde zu vorchristlichen Zeiten mittels eines Landschaftskalenders der Beginn von Imbolc bestimmt.


Auch der Name Percht, der Name einer Göttin, die in Bayern und Teilen Österreichs verehrt wurde, hat eine Beziehung zum Licht. Die Ursprünge des Namens sind im althochdeutschen „perahta“ zu finden, was so viel wie „hell, strahlend“ bedeutet.


Das Fest

Fasching Maskein weiß rot schwarz - Raum und Mensch - Geomantie - Radiästhesie
Faschingsmaske in den Farben der Göttin

Es ist ein Fest der Freude über die Rückkehr des Lichts und des Lebens. Das Licht kehrt aber nicht nur physisch, sondern auch geistig wieder. Es ist das Licht der Inspiration, das uns die Weiße Göttin schenkt. Die Menschen sind inspiriert, beglückt, verzückt und auch ein wenig verrückt. Sie dürfen sich wie ein Narr benehmen.


Die noch heute gefeierten Narrenfeste – Fasching, Fastnacht usw. – gehen auf das Lichtfest zurück. Die gesellschaftliche Ordnung ist außer Kraft gesetzt, alles ist außer Rand und Band, es regiert das Chaos. Das Alte wird vertrieben, das Neue wird gerufen – auch wenn es aktuell noch im Chaos verborgen liegt. Denn erst wenn das Alte im Chaos versinkt, darf aus diesem Chaos heraus das Neue entstehen.


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