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Raum und Mensch - Schule für Geomantie und Radiästhesie

Epiphania und die Perchtnacht

  • vor 4 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Perchten - Blog Titelbild - Raum und Mensch - Geomantie - Radiästhesie

In der dunklen Zeit zwischen den Jahren, wenn die Zeit stillzustehen scheint, bewahrt der Alpenraum bis heute ein uraltes Erbe. Es ist die Zeit der „Heiligen Nächte“ oder Rauhnächte, in denen mancherorts noch immer der Tisch für drei geheimnisvolle Frauen gedeckt wird. Man kennt sie als die Saligen, die Weißen Frauen, die Drei Schwestern oder als die Holda und die Percht.

Doch hinter all diesen Namen ruht ein und dieselbe Kraft: die große Zyklusgöttin. In der vorangegangenen Dunkelheit herrschte sie in ihrem schwarzen Aspekt als die alles Nehmende, die alles zur rechten Zeit zu sich zurückholt. Doch nun, mitten in der dunkelsten Zeit, transformiert sich aus sich selbst heraus. Sie legt ihr dunkles Gewand ab und wird zur Göttin in ihrem weißen Aspekt – als Herrin über die Wiederkehr und das Werden alles neuen Lebens.


Epiphania – Die Erscheinung

Diese dunkle Zeit, die mit der heiligen Perchtnacht enden, ist eine klassische Schwellenzeit –zwischen der dunklen und der hellen Zeit im Jahreslauf. Im alten Volksglauben hing alles vom Erscheinen dieser jungfräulichen Frühlingsgöttin ab: Nur wenn sie ihren Segen gab, würden das Licht, die Vegetation, die Fruchtbarkeit, ja alles Leben nach der Dürre des Winters zurückkehren.

Ihr Name, Percht, leitet sich vom althochdeutschen „Perahta“ ab. Es ist ein Name voller Gegensätze, der sowohl die „Verhüllte“ als auch die „Strahlende“ bedeutet. Sie ist die Garantin dafür, dass das Licht und das Leben jedes Jahr aufs Neue zurückkehren. So ist es kaum verwunderlich, dass der 6. Januar als „Tag der Erscheinung“ (Epiphanias) ihren Namen im Herzen trägt: Das althochdeutsche giperahta naht – die leuchtende Nacht – hallt bis heute in der Bezeichnung der Perchtennacht nach.

Dieser rituelle Übergang wird im lebendigen Brauchtum der Alpen greifbar. In den Masken der Perchtenläufe begegnen uns die beiden Gesichter der Natur: Mancherorts tragen die Gestalten Doppelmasken, die Licht und Finsternis zugleich offenbaren. Als „Schiach-“ (Hässliche) und „Schönperchten“ verkörpern sie den ewigen Kreis des Lebens, ein ständiger Lauf durch die sich bedingenden und Ergänzenden Pole, Hell-Dunkel, Tod-Leben.

Am Tag ihrer Erscheinung, der Perchtnacht, kehrt sie schließlich als die Strahlenden zurück. Sie bringen das Licht und das volle Potenzial des Lebens zurück in die Welt. Die Farbe Weiß ist dabei ihr heiliges Symbol: Sie ist nicht nur die Farbe des nahenden Frühlings und des Neubeginns, sondern sie birgt – als Summe des gesamten Farbspektrums – alle Möglichkeiten in sich, die im kommenden Jahr entfaltet werden wollen.


Die christliche Umdeutung

Als das Christentum sich ausbreitete, übernahm die Kirche den kraftvollen Begriff und das Datum (den 6. Januar). Aus der „Erscheinung der Göttin“ wurde die „Erscheinung des Herrn“ (Epiphanias). Gefeiert wird hier die Offenbarung Jesu vor der Welt, symbolisiert durch den Besuch der Heiligen Drei Könige, die dem Stern zum Licht gefolgt sind.


Brauchtum zur Perchtnacht

  • Befana in Italien: Ein lebendiger Beweis für die Kraft dieser Tradition findet sich in Italien: Hier ist es die Befana, deren Name eine charmante Abwandlung von ‚Epiphanias‘ ist, die das Fest der Erscheinung zelebriert. Statt am Heiligabend die Bescherung zu feiern, erwarten die Kinder sie in der Nacht auf den 6. Januar.

  • Die Dreimahlnacht: Der 6. Januar wird in manchen Alpengegenden auch als „der Oberste“ oder als das „große Neujahr“ bezeichnet. In der „Dreimahlnacht“ (Abend zum 6. Jan.) wird ausgiebig gegessen, wobei Teile der Speisen für die Percht auf das Dach oder vor das Haus gestellt werden.

  • Weiße Gaben: Man opfert „Perchtmilch“, Weißbrot oder wirft Käse in den Bach – allesamt weiße Gaben für die Weißen Frauen.

  • Reinigender Wind: Die Percht wird auch als reinigender Wind verstanden. Daher öffnet man in dieser Nacht die Fenster, damit sie das Alte und nicht mehr Benötigte davontragen kann.


Die Perchten – einst und jetzt


Schönperchten - Raum und Mensch - Geomantie - Radiästhesie
Die Schönperchten mit den weißen Federn der Frühlingsgöttin

Düster und furchteinflößend ziehen die Perchten heute durch die Gassen, die Rute stets griffbereit. Wer ihnen begegnet, sucht oft das Weite, um den heftigen Schlägen der Gestalten zu entkommen. Doch der Ursprung dieses Brauchs ist ein weitaus lichterer: Er gründet in der vorchristlichen Figur der Percht – der hellen, strahlenden Göttin.


Ihre Rute, gefertigt aus den früh austreibenden Zweigen der Weide, war kein Instrument der Gewalt, sondern ein Segensbringer. Als Symbol für erwachende Lebenskraft diente sie dazu, Fruchtbarkeit zu spenden. Durch eine sanfte Berührung mit dem Weidenholz übertrug die Percht in ihrer Rolle als Weiße Göttin die regenerative Energie der Natur auf Mensch und Tier.


Das Räuchern und die Schutzzeichen

In der Perchtnacht werden Haus und Hof noch einmal kräftig geräuchert. Während die Bäuerin den Stall segnet, schreibt der Bauer (traditionell nicht die Sternsinger) die Schutzzeichen über die Tür: z.B. für 2026 20 C+M+B + 26.

Obwohl dies heute christlich als „Christus Mansionem Benedicat“ gedeutet wird, stammen die Wurzeln aus vorchristlicher Zeit. Es liegt nahe, dass die Buchstaben ursprünglich für die heiligen drei Madl standen: Heilige Catharina, Heilige Margareta und Heilige Barbara – die christlichen Nachfolgerinnen der drei Bethen bzw. der alten vorchristlichen dreigestaltigen Göttin.


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1 Kommentar


Unknown member
vor 3 Tagen

Danke für den schönen Beitrag!

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