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Der Heilige Nikolaus und seine Vorgängerinnen

Zum heutigen Nikolaustag möchte ich euch gerne etwas über den Heiligen Nikolaus und seine Vorgängerinnen erzählen.

Bei meinen zahlreichen Besuchen alter Frauenheiligtümern und frühen Verehrungsorten der dreigestaltigen Göttin, an denen noch heute die drei Bethen oder die heiligen drei Madl – „Barbara mit dem Turm, Margarete mit dem Wurm und Katharina mit dem Radl, das sind die heiligen drei Madl“ - verehrt werden, konnte ich feststellen, dass auf vielen dieser Plätze heute Nikolauskirchen stehen. So auch in Klerant, oberhalb von Brixen, wo die drei Bethen Ampet, Gewer und Bruen verehrt werden, oder in Dreikirchen bei Barbian wo die heiligen drei Madl, mehrmals dargestellt sind.

Auch in Petscheid bei Lüsen steht eine Nikolauskirche – hier zeugt bereits der Ortsnamen Petscheid, der von den Bethen herrührt, und der Hofname „Vilpederer“ eines Gehöftes, der wiederum von Willbeth – einer der drei Bethen- abgeleitet wird, von einem urgeschichtlichen Frauenheiligtum. Manchmal ist die Kirche nicht dem heiligen Nikloaus geweiht und trotzdem spielt er eine zentrale Rolle.

Im Dom zu Worms zum Beispiel, der dem heiligen Petrus geweiht ist, gibt es eine Nikolauskapelle mit einem Bildnis der drei Bethen. Hier nennen sie sich Embede, Willebede und Warbede. Auch im oberbayrischen Leutstetten. Hier ist die Kirch dem Heiligen Alto geweiht, das Altarbild aber wird unter anderem vom Heiligen Nikolaus flankiert.


Der Heilige Nikolaus von Myra

Der Heilige Nikolaus war ein Bischof aus der Stadt Myra, und wirkte rund um das heutige Demre im äußersten Südwesten der Türkei. In diesem Kulturraum wurden zahlreiche Göttinnen verehrt, unter anderem Diana-Artemis, auf die wir später noch zurückkommen werden. In einer seiner vielen Wundertaten soll Nikolaus drei Frauen, deren Väter sie mangels Armut und fehlender Aussteuer nicht verheiraten konnten, drei goldene Äpfel in ihr Schlafzimmer gelegt haben und sie dadurch vor der Prostitution gerettet haben.


Der goldene Apfel

Der Apfel ist ein uraltes Symbol der Fülle, weiblicher Erkenntnisskraft, Weisheit, Wandlungsmacht und zyklischer Erneuerung. Als Liebesapfel ist er ein Symbol der Göttin in ihrem roten Aspekt und als Todesapfel (Granatapfel) ein Symbol der Göttin in ihrem schwarzen Aspekt. Sie hütet in der Anderswelt die Mysterien der Wiedergeburt, ja des ganzen Lebens, der Schöpfung selbst. Sie ist die Reichtumsspenderin aus dem Jenseits. Davon zeugen zahlreiche Mythen und Schöpfungslegenden, wie die Mythe vom keltischen Avalon, vom Baum der Erkenntnis im Paradiesgarten Edens, oder vom Jenseitsparadies im Märchen von Frau Holle. Es ist also kein Zufall, dass die goldene Kugel als Reichsapfel bis ins späte Mittelalter von den weltlichen Machthabern als Hoheitszeichen getragen wurde. In dieser Geste scheint noch jene Zeit durch, als der Heros von der Göttin bzw. der Sakralkönigin durch Überreichung des goldenen Apfels die Königswürden erlangte. Dasselbe gilt auch für die vielen Darstellungen der Überreichung des Apfels von Maria an ihren Sohn.


Die drei Bethen der Nikolauskirche von Klerant

Auch in der Nikolauskirche in Klerant tragen die drei Bethen – abgebildet in hoheits- und würdevoller Haltung - die goldenen Kugeln in ihren Händen. Ampet hält in ihrer Rechten zusätzlich eine Perlenkette. All diese Attribute, machen sie zu göttlichen Frauen, die symbolisch das Leben, die gesamte Welt ja die gesamte kosmische Ordnung in ihren Händen halten. Goldene Kugeln und eine Kette - ohne Anfang und ohne Ende - sind archaische Symbole des ewigen Kreislaufs von Werden und Vergehen. Das Bild der drei Bethen in Klerant entstand um 1470. Die drei Bethen zeugen von einer um diese Zeit im Volksglauben noch tief verankerten Verehrung der großen Göttin.


Die drei Bethen von Klerant | Blog | Raum und Mensch - Schule für Geomantie und Radiästhesie
Die drei Bethen von Klerant

Der Bann der Diana

Genau um diese Zeit begann auch der Feldzug gegen jene Frauen, die immer noch an der großen dreigestaltigen Göttin festhielten. Davon zeugt eindrucksvoll ein weiteres Fresko in der Kirche von Klerant. Dieses zeigt den Heiligen Nikolaus wie er eine Teufelin vertreibt. Er spricht einen Bann und verwendet seinen Bischofsstab einen Zauberstab gleich. Auf einem Spruchband steht geschrieben: „Diana, du böser Geist, fleuch aus diesem Haus im Namen Jesu". Diana wird als Angst einflößende Dämonin mit Krallen, Bockshörnern, Drachenflügeln, langen Stoßzähnen und mit einen überdimensionalen Dolch bewaffnet auf einem Baumstumpf stehend, dargestellt. Diese Szene stellt die Legend der Vertreibung der Göttin Diana aus ihrem Baumheiligtum dar. Das Fresko zeugt von einer Verehrung der Göttin Diana-Artemis durch die Menschen in dieser Region. Die Halbmonde auf den Drachenflügeln weisen sie als Himmelsgöttin aus.

Der Heilige Nikolaus verbannt Diana aus ihrem Baumheiligtum | Blog | Raum und Mensch - Schule für Geomantie und Radiästhesie
Der Heilige Nikolaus verbannt Diana aus ihrem Baumheiligtum

Nikolaus der Gabenspender

Der Heilige Nikolaus als Gabenspender | Blog | Raum und Mensch - Schule für Geomantie und Radiästhesie
Der Heilige Nikolaus als Gabenspender

In einem weiteren Fresko wird die weiter oben beschriebene Tat von der Schenkung der goldenen Äpfel an die drei Jungfrauen dargestellt. Dieses Fresko zeigt, wie der Heiligen Nikolaus drei Mädchen, die eng zusammen auf einem Balkon stehen bzw. sitzen, die goldenen Äpfel überreicht. Hier übernimmt er die Rolle eines mildtätigen Gabenspenders, die ihm bis heute in der Weihnachtszeit geblieben ist. Auffallend am Fresko ist jedoch die Kleidung des Nikolaus. Er trägt anstelle des Bischofsmantels nur ein kurzes, grünes Gewand. So erinnert er stark an den „grünen Mann“, den „wilden Mann“ den matriarchalen Heros der Göttin, den sie im Mai während der Zeit der freien Wahl auswählt, um mit ihm im Hochsommer heilige Hochzeit zu feiern.


Im Christentum tritt der Heilige Nikolaus an die Stelle der dreigestaltigen Göttin. Er ist jetzt der Gabenspender während der Weihnachtszeit und übernimmt ihre Rolle - jene der Reichtumsspenderin aus dem Jenseits. Mit dem Einzug des Christentums soll nun nicht mehr die dreigestaltige Göttin die Menschen mit den Lebensreichtümern beschenken, sondern der Heilige Nikolaus, beschenkt ab jetzt aus einem uterusartigen Sack heraus die Kinder mit Äpfeln und Nüssen. Der Krampus der ihn begleitet, erinnert immer noch an Diana-Artemis, über die er jetzt Macht besitzt und an der Kette bei sich führt.


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