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Das Tränenkrüglein - Ein Märchen über das Loslassen


Das Tränenkrüglein - Märchen - Raum und Mensch - Schule für Geomantie und Radiästhesie
Das Tränenkrüglein

Entlang des Jahresrades gehen wir über viele Schwellen. Eine besondere Schwelle ist der Übergang in ein neues Jahresrad, in einen neuen Zyklus, währende der Wintersonnenwende und der Rauhnächte. In unserem Kulturkreis wird dieser Übergang vor allem zu Silvester gefeiert.

Silvester wird meistens mit Wünschen für das neue Jahr begangen. Bevor wir aber mit vielen Wünschen neues zu uns holen, sollten wir zunächst „Platz schaffen“. Platz schaffen durch Loslassen. Jetzt, zu Silvester, darfst du loslassen, was gehen will. Beachte, würdige und umarme es noch einmal – so wie im Märchen - und dann lass es gehen, lass los. Es darf leichter werden im neuen Jahr, sowohl für dich, als auch für das, das gehen mag.


Das Märchen vom Tränenkrüglein

In alten Tagen, als noch Frau Berchta über unsere Erde ging, da lebte eine Witwe. Die hatte ihr einziges Kind an den Tod verloren und vermochte sich nicht zu fassen vor Herzeleid. Sie weinte sich die Augen wund bei Tag und Nacht.

Es begab sich aber auf dem Hollen- oder Berchtenabend (6. Januar), dass sie einen Botengang machen musste von Dorf zu Dorf.

Der volle Mond schien auf das verschneite Land, aber sie sah seine Schönheit nicht. Denn ihre Augen waren getrübt von all den vielen Tränen.

Doch auf einmal erblickte sie eine seltsame Geisterschar. Das war Frau Berchta mit ihren Heimchen. Die zogen auf dem blachen Feld mit zirpendem Singsang an ihr vorüber, dann über den Heckenzaun und liefen nun dem Walde zu. Schon war die Seelen-führerin bei den verschneiten Tannen angelangt, da trippelte ängstlich ein Kind mit nackigten Füßchen im kalten Schnee diesem Zuge nach und schleppte an einem schweren Krug. Als es nun auch an den Zaun kam, waren die andern schon alle hinüber.

So lief es denn ängstlich hin und her und suchte einen Durchschlupf im Flechtwerk. Denn der Steinkrug war viel zu schwer für seine zarten Gelenke.

Da endlich erkannte die Frau ihr eigenes Kind, und es drückte ihr beinah das Herz ab. Sie rief das Kleine bei seinem Namen, aber das Heimchen hörte nicht hin. Sie fasste es bei der Hand, aber das Kind erkannte sie nicht. Da blutete der Mutter das Herz. Sie presste das Kleine an ihre Brust und weinte, Als aber die salzigen Muttertränen des Kindes Äuglein netzten, da sagte der kleine Mund wie im Traum:

„O wie warm Ist Mutterarm!"

«Ach Kind, willst du nicht kommen und im Haus deiner Mutter bleiben?" fragte traurig die Frau.

Sprach das Kind: „Lieb Mutter mein, leg ab die Trauer und lass das Weinen. Denn alle Tränen, die du vergießt, die fließen über mein Grab in diesen Krug. Den muss ich nun nachschleppen, und er wird immer voller. Sich nur, mein Hemdchen ist schon ganz nass, und die Kinder laufen mir alle davon. So gib mich doch endlich hin und lass mich los, "

Da hob die Mutter ihr Liebstes über den Zaun, weinte sich einmal noch von Herzen satt, küsste den blassen Kindermund und sah dem weißen Hemdchen nach mit sehnendem Blick, bis es fern in der hellen Schar untergetaucht war.

Wollte sie wieder einmal der Gram übermannen und wollten ihre Augen überfließen, so har sie schnell an das Krüglein gedacht und an den Zaun, schluckte tapfer die Tränen herunter und trug nun ihr Weh ohne Frage und ohne Klage.

Quelle: Karl Paetow; Frau Holle - Volksmärchen und Sagen, 3. Aufl.


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